Sie haben gute Seelen

Roswitha UttersRoswitha Utters kommt gebürtig aus Ravensburg Württemberg. Ihr letzter Wohnsitz in Deutschland war in Oberhausen. Das Burschikose hat sie sich schon früh in ihrer Laufbahn als Erzieherin ange-eignet als sie mit 20 im Haus der Offenen in Duis-burg Hamborn Marxloh für ein Jahr arbeitete. Dort bekam sie auch ihre Berufung für Südamerika als eine Deutsche, die für einige Jahre in Bogota Ko-lumbien an der deutschen Schule gearbeitet hatte ihr begeistert von dem Kontinent erzählte und we-nig später nach Arequipa in Peru verschwand.
Roswitha tat es ihr gleich und arbeitete für 3 Jahre an der Deutschen Schule in Arequipa einer südli-chen Andenstadt in Peru. Dort lernte sie ihren pe-ruanischen Mann kennen, den sie dann später in Deutschland heiratete. Die Sehnsucht nach der Weite ließ sie nicht mehr los und sie schaffte es 7 Jahre als Sozialpädagogin und Kunsterzieherin an der Goetheschule in Buenos Aires/Argentinien vermittelt zu werden. Danach verschlug es sie wieder nach Peru. In Lima bot man ihr eine Stelle an der Deutschen Humboldtschule als Kunsterzieherin und Werklehrerin an.
Nachdem sie ein Jahr Kinder deutscher und peruanischer Familien der Ober-schicht unterrichtet hatte wollte sie alles hinschmeißen. „Ich sah mich nicht in der Lage ein Leben lang diese krassen sozialen Unterschiede in Peru aushalten zu können. Ich musste etwas tun, irgendetwas anfangen oder ich würde gehen“. Das war der Zeitpunkt als sie im armen Süden in Pamplona Alta mit 8 Frauen ein Sozialprojekt ins Leben rief und im Laufe der nächsten Jahre ein großes Kunstgewerbliches Gemeindezentrum „Haus der Offenen Tür“ mit Werkstätten, Altengruppe, und Kindergarten baute. Ohne die unermüdliche Hilfe ihres Vaters, der sich in Deutschland um die Finanzierung kümmerte hätte sie es nie geschafft.
Nach 31 Jahren als deutsche Ortskraft in der Humboldtschule musste Roswi-tha in Rente gehen. Zwei Jahre zuvor hatte sie mit einer 3jährigen Ausbildung zur Kunsttherapeutin (therapy expressiv art) begonnen um auch nach dem Berufsleben weiter kreativ und lebendig zu bleiben. Im Rahmen ihrer Ausbil-dung brauchte sie einen Praktikumsplatz und ist so 2009 zu uns ins Gefängnis von San Juan de Lurigancho gekommen. Aus dem Praktikum mit unseren jun-gen drogenabhängigen Männern sind mittlerweile 7 Jahre geworden und die 5 Stunden, die Roswitha jede Woche unseren Jungs schenkt lassen sie auch nicht mehr los.
„Am Anfang war es schwer für mich schon beim Reinkommen die vielen Män-ner mit Fußfesseln und Handschellen zu sehen, die zu ihrer Verhandlung ge-führt wurden. Ich konnte ihnen nicht in die Augen schauen und fühlte mich als Frau bloßgestellt. Heute sehe ich sie an und wünsche ihnen Glück bei der Verhandlung.“
Roswitha begleitet sowohl die Neuzugänge in unserer Drogentherapie wie auch die alten Hasen. Mit den Neuen spielt sie viel. Die kreativen Therapiesit-zungen bereitet sie thematisch vor und nutzt alle möglichen Ausdrucksformen wie Spielen, Zeichnen, Malen, Skulpturen, Impro, Theater, Musik, Gedichte, Trommeln, Meditation usw. Wenn sie merkt, dass bei den Jungs ein anderes Thema schwelt, ist sie flexibel und macht das was dran ist. Sie ist immer wie-der überrascht, wie kreativ, tief und ehrlich die Männer einen Gedichtvers mit eigenen Worten fortsetzen, die Kopie einer Handschelle in ein positives Ge-mälde verwandeln und ihr oft auch aus ihrem eigenen Herzen sprechen.
„Unter anderem bin ich eigentlich hier, weil ich mit den Gefangenen meine eigene emotionale Freiheit erarbeiten und sie gleichzeitig bei ihrer inneren Befreiung begleiten kann. Die Gefangenen sind immer ganz diszipliniert und nehmen meine Impulse toll auf. Ich frag jeden nur nach dem Namen und dem Alter. Das Vergehen spielt bei uns keine Rolle. Ich finde meine Jungs sind nicht so schlecht, wie die Gesellschaft sie machen will. Sie haben alle eine gute Seele. Daran glaube ich. Das schönste Kompliment das ich in meinem ganzen Leben erhalten habe bekam ich im Gefängnis“

"Danke Roswitha, dass Du mir geholfen hast zu verstehen, dass mein Leben eine Kunst ist. Ich werde mein Leben mit dem Pinsel in der Hand begehen, meine Nächte bunt färben um mich mit meinen Ängsten an meinen Abendbrottisch zu setzen."

Gianfranco

Roswitha Utters ist eine starke Frau, die bei uns im Knast ein lebendiges und kreatives Zeugnis lässt und gleichzeitig ganz viel Energie mit in ihren Alltag und die Familie nimmt. Ich bin ihr sehr dankbar.

Den kompletten Rundbrief mit diesem Betrag könnt Ihr hier herunterladen.