Hallo, mein Name ist Norbert Nikolai - Gefängnisseelsorger

Ich bin seit 2010 in der Gefängnisseelsorge im Männergefängnis „San Juan de Lurigancho“ in Lima tätig.
Gott hat mir schon vor meiner Weihe sehr weite Räume eröffnet und so war ich 1990 als Student ein Jahr in Cajamarca/Peru bei Bischof José Dammert, der mich durch sein priesterliches Zeugnis bis heute im Herzen begleitet. In der Weite der peruanischen Anden stand er ein für die Campesinos und einfachen Menschen. Weite Fußmärsche und ein immer offenes Bischofshaus wurden für mich in dieser Zeit zum Inbegriff einer priesterlichen Existenz an der Seite der Armen, und dies in politisch durchaus gefährlicher Zeit. So weit die Distanz zur Heimat und der Raum der Anden auch für mich waren, so sehr begeisterte mich, mit welcher Bescheidenheit dieser Bischof nur einen kleinen Raum des Bischofshauses bewohnte und im Patio die Menschen empfing. Morgens sah man den Bischof seine Zeitung an der Ecke kaufen, immer war er ansprechbar für die Probleme seiner Leute. Es schien, dass die Enge des persönlichen Wohnraumes ihm umso mehr eine Weite für alle Sorgen der Menschen eröffnete.

Mit Ruhe und Ernsthaftigkeit gab Don José dem Anderen überall in seinem Leben Raum, um ihm und durch ihn auch Gott zu begegnen. Nach meiner Kaplanszeit von 4 Jahren in Lüdenscheid in einer großen Kaplanswohnung ging ich 1999 als Dorfpfarrer in die südlichen Anden in das Dorf Pauza. Zusammen mit einer deutschen Gemeindereferentin, zwei Schwesterngemeinschaften, Religionslehrern und Katechetinnen durfte ich 5 Jahre 60 Dörfer und Kapellen betreuen. Ausgangsbasis für unser Leben, Arbeiten und Glauben war eine Holzbaracke in einem wunderschönen Pfarrgarten. Ich brauchte nur ein kleines Schlafzimmer und wir teilten uns alle übrigen Räume. Aber nicht nur bei den äußeren Räumen habe ich dort gespürt, dass Reduzierung und Konzentration eine neue Weite gibt. Da, wo ich mich in der Begegnung mit den Menschen zurücknehmen konnte (was mir persönlich manchmal nicht leicht fällt), da bekam ich ungemein viel Neues geschenkt. Diese Erfahrungen haben auch meine Berufung als Priester verändert und geprägt. Die letzten 5 Jahre habe ich wieder in der deutschen Pastoral in einem riesigen Pfarrhaus in Essen-Katernberg verbracht. Ob so mache pfarrherrliche Anwandlung, die mir von meinem Kollegen unterstellt wurde, auch durch das Wohnen in überproportionierten Räumen begünstigt wurde, wage ich nicht einzuschätzen. Aber es war ein wunderbares Gefühl, alle Möbel und meinen gesamten Hausstand bis auf 10 Kisten für immer wegzugeben. Gott rief mich wieder hinaus in die Weite und da stören Küchenschrank und Co. nur.

Seit 2010 arbeite ich nun als Gefängnispfarrer in Lima/Peru. 10.000 männliche Gefangene teilen sich den Raum von 21 Wohnbaracken unter menschenunwürdigen Verhältnissen. Begleiten Sie mich in die Weite und lassen Sie sich regelmäßig über das Leben und den Glauben der Menschen in Peru informieren!